Die Gadower Kirche blickt auf eine lange, bewegte Geschichte zurück. Schon 1540 wurde Gadow als Pfarrdorf erwähnt und seit dem Jahre 1557 wurde ein Predigerverzeichnis geführt. Es muss daher seit dieser Zeit auch eine Kirche gegeben haben. Im 16. Jahrhundert war Gadow Mutterkirche. Zu ihr gehörten die Tochterkirchen Dünamünde, Goldbeck, Zootzen, Gut und Kolonie Friedrichsgüte, Oberförsterei Neuendorf, Försterei Quäste und Alte Walkmühle. Die mittelalterliche Kirche (aus dem 12./13. Jahrhundert) war, so glaubt man, ein Fachwerkbau. Sie wurde vermutlich während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) stark beschädigt oder zerstört. Im Jahre 1636 kam es zu der berühmten "Schlacht am Scharfenberg" bei Wittstock zwischen Kaiserlich-Sächsischen und Schwedischen Truppen. Es ist sogar wahrscheinlich, dass die Gadower Kirche zu diesem Zeitpunkt beschädigt wurde, da die Wittstocker Region bis dahin weitgehend von den Wirren des Krieges verschont blieb.
 

 

So wurde um das Jahr 1680 eine neue Kirche errichtet. Es handelte sich um einen sehr seltenen verputzten Steinbau im protestantisch-barocken Stil.  200 Menschen fanden in ihr Platz. Die zwei Kirchglocken wurden im Jahre 1681 von Johann Heinrich gegossen. Die Grundfläche dieser Kirche war ein Kreuz. Leider ist uns bis auf diese Tatsachen nichts über dieses faszinierende Gebäude bekannt. Diese authentische Skizze von 1860 fanden wir bei den Bauzeichnungen der jetzigen Kirche.


In der Mitte des 19. Jahrhunderts erlebte Gadow einen starken Bevölkerungszuwachs. Durch die Glashütte kamen viele Arbeitssuchende in unser Dorf. In der Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in Gadow knapp 600 Menschen. Bald reichte die alte kleine Kirche nicht mehr aus, um alle Bewohner Gadows aufzunehmen.

 

Unter Leitung Friedrich August Stülers wurde im Jahre 1839/40 die große Glocke umgegossen.
 
Ab 1842 wurde erwogen, die vorhandene Kirche auszubauen. Am 1.08.1843 veranlasste die Regierung in Potsdam die Anbringung von 17 Klappsitzen. Das konnte den Bedarf natürlich nicht decken. Deshalb und aufgrund der starken Reparaturbedürftigkeit des Daches entschloss man sich, an der Stelle der Alten, eine neue Kirche zu bauen. Kreisbaumeister Wedeke aus Kyritz lieferte den Bauentwurf. Wedeke favorisierte bei seinen Arbeiten den frühchristlich-romanischen Stil. Er entwarf unter anderem auch die Kirchen der Dörfer Zempow, Dranse und Teetz. Seine Entwürfe wurden stets von Regierungsbeamten überarbeitet. Darunter waren Friedrich August Stüler, der Architekt Friedrich Wilhelms III, Regierungsbaurat Horn aus Potsdam und der Herr Kreis-Bauinspektor von Rosainsky. Diese waren Anhänger der gotischen Baukunst und verliehen den Entwürfen Wedekes gotische Elemente, wie gestreckte Fenster und hohe spitze Kirchtürme.


Am 09.06.1858 wurde durch den Regenten Wilhelm Prinz von Preußen, anstelle seines kranken Bruders König Wilhelm IV, die Baugenehmigung für den Neubau der Gadower Kirche erteilt. Die alte Kirche wurde also abgerissen. Im Winter 1860/61 schafften die Gadower Bürger im Rahmen von Hand- und Spanndiensten das Baumaterial heran. Am 20. April 1861 war es dann soweit. Der Grundstein für die neue große Kirche wurde gelegt. Teilweise wurde der Neubau sogar auf dem Fundament der alten Kirche errichtet. Bis in das Jahr 1861 wurde aus Kostengründen und im Rahmen des Denkmalschutzes erwogen, den Turm der alten Kirche zu erhalten.

Ein Kostenvoranschlag vom Dezember 1860 belief sich auf 11065 Reichstaler und 27 Silbergroschen. Letztlich kostete der Bau der Kirche aber 11735 Reichstaler und 3 Silbergroschen. Im Vergleich dazu lag der gesamte Etat für Bau und Erhalt der Kirchen in der Kurmark Brandenburg der Jahre 1860 bis 1862 bei 72808 Reichstaler. Das Geld für die Gadower Kirche kam aus einem Kostenzuschuss des Ämterkirchenfonts, einer Stiftung Friedrich Wilhelms I. aus dem Jahre 1723, in Höhe von etwa 10000 Reichstaler. Aus dem Patronatsbaufont kamen Zuschüsse für das Inventar der Kirche und durch den Verkauf von Baumaterial der alten Kirche wurde der Rest finanziert.

Der Schiefer für das Dach der Kirche kam aus Wales, Groß Britannien. Er wurde mit Schiffen nach Hamburg transportiert. Von dort aus brachte man den Schiefer mit der Bahn nach Wittenberge. Ab hier wurde er mit Pferdefuhrwerken nach Gadow gebracht. Die Backsteinziegel lieferten der Ziegelpächter Günther aus Goldbeck und der Ziegler Krüger aus Ziegelkrug und der Kalk kam von Herrn Baumann aus Neuruppin.

Der Verantwortliche für den Bau der Gadower Kirche war Bauführer Louis Albert Eduard Sigismund von Schaewen. Dieser stammte aus Schadwalde bei Marienburg, Westpreußen, und lebte zu dieser Zeit in Berlin. Er war unter anderem auch an für den Bau der Teetzer Kirche verantwortlich. Den Altar, die Kanzel, die Chorschranke und das Taufbecken fertigte der Potsdamer Bildhauer Koch an. Koch war berühmt für seine Arbeiten mit Portlandzement. Des Weiteren arbeiteten die Maurermeister Güntzel und Sander II, die Zimmerleute Rehfeld und Lüdecke, der Tischler Schroeder, die Glaser Gerloff und Sprinck, der Maler Müller und der Dachdecker Schindel an der Gadower Kirche.

Zum Ende des Jahres 1862 wurde die neue Kirche fertig gestellt. Eingeweiht wurde sie am 28.01.1863 durch Dr. Ludwig Friedrich Wilhelm Hoffmann, dem Generalsuperintendent der Kurmark und Domprediger zu Berlin.

Der Friedhof an seiner heutigen Stelle wurde 1862 eingeweiht. Da man die Gräber des alten Friedhofes direkt neben der Kirche natürlich nicht entfernen konnte, wurde der alte Friedhof noch einige Jahre weiter gepflegt und betrieben. Seit 1862 wurde dort aber niemand mehr bestattet.

 

1864 wollte man in der Gadower Kirche eine Orgel installieren. Der berühmte Orgelbauer Friedrich Herrmann Lütkemüller erstellte einen Neubau-Kostenvoranschlag. Die Gemeinde konnte das nötige Geld aber nicht aufbringen. Es wurde über eine Ratenfinanzierung verhandelt. Es kam jedoch zu keiner Einigung und der Orgelneubau wurde nicht durchgeführt.

1907 wurde die kleine Glocke umgegossen.

 

Zu Zeiten des ersten Weltkrieges wurde für die Waffenherstellung Metall benötigt. Überall in der Region mussten daher Kirchenglocken abgehängt und eingeschmolzen werden. Am 12.06.1917 wurde auch die kleinere der beiden Glocken der Gadower Kirche entfernt und 1933 neu installiert. Um 1942 wurde die große Glocke für den 2. Weltkrieg eingeschmolzen. Seither hat die Gadower Dorfkirche nur eine Glocke.

Im Jahre 1951 wurden in der Kirche die bunten Fenster erneuert. Eine Orgel des Orgelbauers Friedrich Hermann Lütkemüller wurde 1956 in unserer Kirche durch Kantor Karl Herrmann installiert. Diese 1856 erbaute Orgel stand vorher in der Heilig-Geist-Kirche in Wittstock.
 

Friedrich Herrmann Lütkemüller wurde am 26.02.1815 in Papenbruch als Sohn eines Pfarrers geboren. Nach einer Lehre arbeitete er ab 1834 für neun Jahre in Ludwigsburg bei Eberhard Friedrich Walker, dem damals berühmtesten Orgelbauer Deutschlands. 1843 kehrte er nach Wittstock zurück und entwickelte den Grundtyp einer Kleinorgel, die er in der Größe variieren konnte. Seine Schaffensgebiete waren Brandenburg, Mecklenburg und die Altmark. Am 19.10.1897 starb er in Wittstock.

 

Seit 1958 wurde der Kirchturm auch als Feuerwachtturm genutzt. Der erste "Feuerwächter" war Herr Hammel.  Seither haben sehr viele Menschen Jahr für Jahr Feuerwache gehalten.

Zur Zeiten der DDR verlor die Religion jedoch stark an Bedeutung. 1980 wurde die Kirche für die Öffentlichkeit geschlossen und dem Verfall ausgesetzt. Die Trauung von Detlef und Verena Sokolowski am 12.05.1979 war auch die letzte Hochzeit, die in der Gadower Kirche durchgeführt wurde.
 
Seit 1981 gab einen Vertrag mit dem staatlichen Forstbetrieb über die Nutzung des Kirchturms als Feuerwachtturm für die umliegenden Wälder. Eine Aktennotiz vom 30.08.1984 besagt, dass man lediglich den Kirchturm erhalten wollte. Für die „Aufgaben“ der Gemeinde reiche das neben der Kirche stehende Pfarrhaus.
 
Am Ostermontag, dem 08.04.1985 gegen 15:00 Uhr schlug ein Blitz in den Kirchturm ein. Es kam zu schweren Beschädigungen am Königsbalken und an der Schiefereindeckung. Das alte Kreuz und die Kugel an der Turmspitze wurden irreparabel beschädigt. Bei der Instandsetzung wurde ein einfaches Notkreuz installiert. Die Kosten betrugen damals 11.941,32 Mark.
 
Erst nach der Wende besann man sich auf dieses mächtige historische Gebäude zurück, dass einst im Zentrum des Lebens und des Glaubens unserer Gemeinde stand. Der Wunsch wurde geweckt, die Kirche zu retten und für die Nachwelt zu bewahren.

1992 erreichte uns ein Schreiben der unteren Denkmalbehörde, die uns mitteilte, dass die Gadower Kirche in das Verzeichnis der Denkmale aufgenommen wurde. Während der 90-er Jahre wurden einige kleine Reparaturen durchgeführt.
 
Im Jahr 2000 wurde die Gadower Orgel durch einen Orgelbaumeister inspiziert. Er fand die Orgel stark beschädigt und nicht spielbar vor. Dadurch, dass es hereingeregnet hat und das Holz stark vom Wurmfraß in Mitleidenschaft gezogen wurde, wäre eine Reparatur mit zu hohen Kosten verbunden gewesen. Lediglich das Gehäuse und die Klaviaturen waren noch recht gut erhalten. So wurde die Orgel am 28.05.2001 demontiert und als Leihgabe der Kirchengemeinde in das Mecklenburgische Orgelmuseum Malchow verbracht. Dort wurde die Orgel inzwischen vollständig restauriert und spielbar gemacht und kann als Ausstellungsstück bewundert werden. Eine Rückführung der Orgel nach Gadow ist nach Auskunft des Museums jederzeit möglich. Die Kosten dafür werden aber auf weit über 10.000 € geschätzt.

Im Jahr 2002 wurde begonnen, die Kirche zu säubern. Staub, Schmutz und abgebröckelter Putz von über 20 Jahren wurde entfernt. Jetzt ist es uns durch viel Eigeninitiative gelungen zumindest einen Teil der Kirche für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Unter der Empore, wo einst die Orgel stand, wurde ein kleiner Gemeinderaum eingerichtet. Da sich das Dach in einem schlechten Zustand befindet, bietet die Empore Schutz vor herab fallenden Teilen.

Am 19.03.2004 wurde in der Gaststätte Seelig der Förderverein Dorfkirche Gadow e.V. gegründet. Die Satzung wurde verabschiedet und der Vorstand gewählt. Vorsitzende wurde Katrin Krüger, zu Stellvertreterin wurde Renate Schüler gewählt. Insgesamt traten 28 Mitglieder dem Verein bei.

 

Erstellt in Zusammenarbeit mit A. Fowler vom Förderkreis Alte-Kirchen Berlin-Brandenburg